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Dem Ton auf der Spur ...
Zeugen und Zeugnisse der Steglitzer Musikgeschichte

Musik, so der Philosoph Schopenhauer, sei eine Form der Sprache, die von den Menschen überall verstanden würde. Zwar wird diese Aussage heute in vielen Reden zitiert, dennoch stimmt sie so mit der Wirklichkeit des Lebens nicht überein. Die Freude an schönen Tönen und Klängen ist zwar den meisten Menschen angeboren, jedoch sind die Empfindungen darüber, was als schön empfunden wird, je nach Kulturkreis und Alter sehr unterschiedlich.

Das ist die Realität des Lebens, und so zeigt diese Ausstellung zur Steglitzer Musikgeschichte verschiedene Formen und Spielarten der Musik. Ziel ist es dabei auch, das Interesse der Besucher an der Vielfalt zu wecken und Verständnis zu fördern. Neben den Menschen sind Zeugnisse hierfür zahlreiche Institutionen und Vereine sowie Gebaude.
Plakat zur Ausstellung

Gebäude schreiben Musikgeschichte
Für eine besondere Musiktradition steht die Siemensvilla in Lankwitz mit dem Deutschen Musikarchiv und ihrem bekannten Konzertsaal. Auch der Titania-Palast in Steglitz, heute ein großes Filmtheater, ist Teil der hiesigen Musikgeschichte. Bereits kurze Zeit nach dem Ende des Krieges fanden hier die ersten Konzerte der Berliner Philharmoniker statt, denn die alte Philharmonie in der Bernburger Straße war zerstört. Untrennbar verbunden war dieser Neuanfang mit dem Namen des Dirigenten Leo Borchard der die Mitglieder des berühmten Orchesters in kürzester Zeit wieder sammelte. Unter seiner Leitung wurden diese Konzerte zu einem Licht in der dunklen Zeit mit den Leiden und den Zerstörungen durch den Krieg.
Siemensvilla in der Calandrellistra?e in Lankwitz

Georg Schumann und das Lichterfelder Musikleben
Die Philharmoniker hatten aber bereits viele Jahre vorher den Weg in den Südwesten Berlins gefunden: Es war Georg Schumann, unter dessen Stabführung sie 1909 zum ersten Mal in Lichterfelde in den späteren Lichterfelder Festsälen auftraten. Schumann, 1866 geboren, wurde 1900 Direktor der berühmten Berliner Singakademie, die er zu unerreichten Höhen f?hrte. Er war ein großer Musiker als Pianist, Dirigent und Komponist. Sein umfangreiches Werk von Liedern, Klavier- und Orgelwerken, Kammermusik sowie von Orchester- und Chorwerken zeugt von seinem musikalischen Können. In Lichterfelde, wo er lebte, wurde er zu einem nachhaltigen Gestalter des Musiklebens. In seinem Haus veranstaltete er Solistenkonzerte, die eine große Wertschätzung genossen. Herausragende Chormusik: Martin Grabert und der Brinkmannsche Chor. Chöre und Chormusik waren im letzten Viertel des 19. Jh. in den wachsenden Gemeinden mit ihrem aufstrebenden Bürgertum ein wichtiges Zentrum kulturellen und sozialen Lebens. Der älteste gemischte Chor in den früheren westlichen Vororten Berlins war der Brinkmannsche Gesangverein. Sein Gründer, Carl Brinkmann, hatte sein Musikstudium am berühmten Sternschen Konservatorium abgeschlossen und sich als Privatlehrer in Berlin etabliert. Als Naturfreund und im gesundheitlichen Interesse seiner Familie verließ er die Enge der Großstadt und siedelte nach Steglitz um. Hier gründete hier 1882 den nach ihm benannten Chor, der zu einem Schwerpunkt des musikalischen und künstlerischen Lebens der Landgemeinde wurde, die damals 5.500 Einwohner zählte. Nach seinem Tod übertrug man die musikalische Leitung des Gesangvereins an Martin Grabert. Dieser hatte nach einer preisgekrönten Musikerausbildung die Stelle des Organisten und Chorleiters an einer Berliner Kirche übernommen. Als er 1899 die Tochter des Chorgründers heiratete, wurde er Steglitzer Bürger. 1924 verlegte er auch seinen beruflichen Mittelpunkt als Organist der Markuskirche nach Steglitz. Den Brinkmannschen Chor führte er mit seiner Begabung als Dirigent und Komponist mehr als ein halbes Jahrhundert zu großen musikalischen Leistungen und verschaffte ihm viel Anerkennung.
Das Trio Schumann

Die Steglitzer Kirchenmusiktage
Einen bedeutenden Impuls erhielt das Steglitzer Musikleben seit 1970 durch die 'Steglitzer Kirchenmusiktage'. Dieter Beermann, Organist an der Steglitzer Markus-Kirche, und seine Frau Eva, Kantorin in der Lankwitzer Paul-Schneider-Gemeinde, waren die Initiatoren. In diesem Jahr finden sie zum 39. Mal statt. Diese Veranstaltungsreihe der Kirchenmusik in evangelischen und katholischen Gemeinden mit Konzerten und Musik in Gottesdiensten ist eine feste Institution des Steglitzer Musiklebens geworden.

Musikausbildung für die Jugend - Musik für alle
Einen besonderen Einfluss auf das Steglitzer Musikgeschehen hat die 1946 gegründete Musikschule genommen. Ein Jahr nach dem Ende des 2. Weltkriegs, in einer Zeit der großen materiellen Not und der Hoffnungslosigkeit, gründete Thilo Cornelissen, Musiklehrer am heutigen Hermann-Ehlers-Gymnasium, die Volksmusikschule Steglitz. Mit einer Gruppe von engagierten Lehrern ging er daran, die Voraussetzungen für Instrumental- und Gesangsunterricht zu schaffen und auch die ersten Ensembles ins Leben zu rufen. Der Kammerchor der Musikschule entstand in dieser Zeit und auch das beliebte 'Weihnachtssingen Steglitzer Schulen'in der Matthäus-Kirche geht auf Cornelissen zurück. Unter der Leitung von Rüdiger Trantow, der 1958 die Musikschule übernahm, wurde sie eine der größten in Deutschland. Einer der Schwerpunkte wurde die Ausbildung des musikalischen Nachwuchses, was sich bald in den Erfolgen in den Wettbewerben von 'Jugend musiziert' zeigte. Zahlreiche Veranstaltungsreihen schafften der Steglitzer Musikschule große Bekanntheit, nicht zuletzt auch die Auftritte der Chöre und Ensembles in Funk und Fernsehen. Joachim Gleich, der seit 1991 die Musikschule leitet, setzte mit den Bereichen Jazz und Percussion neue Akzente in der Breite des Musikprogramms: Von der Klassik spannt sich der Bogen über Folklore bis zum Jazz und das Programm vereint Veranstaltungen von den 'Steglitzer Tagen f?r Alte Musik' bis zur 'Jazz Night'.

Allgemeinbildende Schulen mit musikalischen Schwerpunkten
Aber nicht nur die Musikschule des Bezirks ist eine Erfolgsgeschichte für die musikalische Förderung unserer Mädchen und Jungen. Es gibt auch Schulen im Bezirk, die sich für eine besondere Förderung der Musik engagieren. Notwendig dazu sind Lehrer, die motiviert sind und ihre Schüler aller Altersgruppen für das Musizieren begeistern können. Am Ende stehen anspruchsvolle Instrumental-, Orchester- oder Chorkonzerte, nicht selten auch szenische Aufführungen von musikalischen Bühnenwerken auf bemerkenswertem Niveau. Eine dieser Schulen ist das Lankwitzer Beethovengymnasium, das mit seinem Musikengagement immer wieder große Erfolge erzielt - auch über die Grenzen Berlins hinaus.
Chor und Orchester des Beehoven-Gymnasiums. Abschlussknzert in der Fr?nkischen Schweiz

Karrieren - Musiker aus dem Berliner Südwesten.
Eine große Zahl von Steglitzer Musikern hat den Weg in Spitzenpositionen bekannter Orchester gefunden, spielen in gefragten Kammermusik-Ensembles oder wurden erfolgreiche Solisten. Einige der herausragenden Vertreterinnen und Vertreter findet man mit Foto und Berufsweg in der Ausstellung wieder.
Der Bundessiegerin 'Jugend musiziert' steht eine gro?e musikalische Karriere bevor

Ein anderes Kapitel der Steglitzer Musikgeschichte:

Blech, Holz und Rhythmus - die Lankwitz Horns
Sie sind weder Big Band, noch Posaunenchor oder Blasorchester - aber sie vereinen von allen etwas. Die 25 Mitglieder gehören zum 'Blech' - Posaunen oder Trompeten - zum 'Holz' - Saxophon oder Klarinette - oder zum Rhythmus - Tuba, E-Bass, Schlagzeug und sie spielen Gospels und Spirituals genauso wie traditionelle Choräle und liturgische Stücke. Beheimatet sind die 'Lankwitz Horns', die man vielleicht als 'Kirchen-Big-Band' bezeichnen könnte oder als 'Geistliches Blasorchester in der Dreifaltigkeitskirche', BVG-Nutzern besser bekannt als 'Lankwitz-Kirche'.

Musik zum Tanzen und Träumen - das Salonorchester Berlin.
Entstanden ist es vor über 25 Jahren aus einer Idee und der Laune einiger musizierfreudiger Abiturienten eines Steglitzer Gymnasiums. Daraus wurde nach und nach ein Orchester traditioneller und moderner Unterhaltungsmusik mit Revue- und Showeinlagen. Je nach Wunsch tritt es auf als Cafehaus-Orchester mit der Musik der 'alten' Jahrhundertwende, als internationales Tanzorchester vom Walzer bis zu lateinamerikanischen Rhythmen, oder als Revueorchester mit einer Vielzahl von Show-Einlagen.

Gustav Büchsenschütz und die 'Märkische Heide'
Für ein besonderes Stück Steglitzer Musikgeschichte steht der Dichter und Komponist Gustav Büchsenschütz. Er war Mitarbeiter der Steglitzer Bezirksverwaltung. Als begeisterter Wandervogel schrieb und komponierte er 1923 das Wanderlied 'Märkische Heide'?. Es war kein geringerer als Paul Linke, der dazu den Orchestersatz schrieb. Es hat bis in die heutige Zeit nichts von seiner Beliebtheit verloren und ragt aus dem reichen musikalischen Schaffen von Büchsenschütz gewissermaßen als Leuchtturm hervor.
Gustav B?chsensch?tz mit seiner Gitarre

Die Instrumente - Von der Königin des Orchesters bis zur Königin der Instrumente
Die Geige wird gemeinhin als die Königin des - klassischen - Orchesters bezeichnet. Die Ausstellung zeigt den Arbeitsplatz eines Geigenbauers mit den verschiedenen Bauteilen einer Geige in ihren unterschiedlichen Holzarten und den dazu gehörigen Werkzeugen. Dazu sieht der Besucher Geigen in der Größenskala von 1/16 für die kleinen Anfänger bis zur 4/4 Geige in der vollen Größe des normalen Instruments. Auf der anderen Seite steht der Bau der Orgel, der Königin der Instrumente, wie sie in alter handwerklicher Tradition in der Berliner Orgelwerkstatt entsteht.

Musikinstrumente reparieren als Therapie
Daneben findet sich die Geschichte einer Werkstatt, in der Musikinstrumente repariert werden als Therapie f?r seelisch kranke Menschen. Ihre Entstehung verdankt das 'Saitenschiff', so der Name, einem Zufall: Einfache Gitarren einer Schule, die reparaturbedürftig waren, sollten 'entsorgt' werden, weil die professionelle Reparatur zu teuer war. Das führte zur Schaffung einer Werkstatt, in der psychisch Kranke unter pädagogischer und fachlicher Anleitung einfache Musikinstrumente für Schulen reparieren.

Ziel der Ausstellung
Die Steglitzer Musikgeschichte, obwohl nicht sonderlich alt, ist reich an bedeutenden Musikern: Komponisten, Dirigenten, Instrumentalisten, die hier gelebt und gewirkt haben. Ein bedeutender Einfluss ging und geht aus von Musikschulen allgemeinbildenden Schulen mit starken musischen Schwerpunkten. Diese Ausstellung will die Gestalter der vielfältigen Steglitzer Musikgeschichte sowie ihre Werke und Leistungen zeigen. So spannt sie einen weiten Bogen von der klassischen Chor- und Instrumentalmusik über die Volksmusik bis hin zur modernen Unterhaltungsmusik. Es war dabei nicht zu vermeiden, dass die Auswahl der dargestellten Personen und der Institutionen sicherlich einer gewissen Zufälligkeit und Subjektivität unterworfen waren, dafür wird um Nachsicht gebeten.

Eine Ausstellung über Musik mit Musik
Auf eine Besonderheit des Rahmenprogramms machen wir an dieser Stelle aufmerksam: Regelmäßig wird es unter dem Titel 'Sonntags um vier' kleine musikalische Auftritte innerhalb der Ausstellung geben, insbesondere von jungen Schülern der Steglitzer Musikschule.

Wir freuen uns auf die Ausstellung 'Dem Ton auf der Spur - Zeugen und Zeugnisse der Steglitzer Musikgeschichte' und auf zahlreiche Besucher, denen wir gern bei der Spurensuche helfen.


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Artikel geändert: 2010-10-23 00:23:52